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Ein frühes Saisonaus, ein abruptes Ende und ein später Anfang

02. 07. 2020

Auch die Pulsnitzer Handballer müssen mit den Corona-Widrigkeiten leben. Das ist ob der Erfolge und Umstände eher bedauerlich als hocherfreut zu jubeln. So sind neben der Saison-Abschluss-Fete auch die großen Ereignisse lautlos vorüber gezogen. Neben dem zweiten Rang der Bezirksliga-Männer und deren Aufstieg in die Verbandsliga traf das auch die tolle Frauensaison. Die endete ungeschlagen mit dem Kreismeistertitel und Aufstieg in die Ostsachsenliga. Gleiches gilt für den Titelgewinn der Männer drei. Sowie den guten Platzierungen der Männer zwei und des Nachwuchses. Zudem konnte auch dem ausscheidenden Erfolgstrainer der ersten Männermannschaft Michael Schwenke nicht der gebührende Abschied präsentiert werden. Vorstand Jens Mager äußerte sich dahingehend noch recht bedeckt: „Natürlich werden wir ihn im Rahmen eines kommenden Heimspiels eine gebührende Verabschiedung bieten. Als Verein ist es für uns bedauerlich wie die Saison endete, aber wir respektieren die Entscheidungen und Gründe im Einvernehmen mit allen. Michael hat eine sehr gute Arbeit geleistet, viele Nachwuchsspieler integriert und eine homogene, zukunftsfähige Mannschaft geformt. Mit der gilt es nun auf den gelegten Grundlagen weiter zu arbeiten. Wir freuen uns auch, dass er zusammen mit Markus Scholze als Spieler die dritte Mannschaft verstärken will. Ansonsten ist wegen Corona zum Aufstieg keine Euphorie aufgekommen, Feiern haben nicht stattgefunden.“ Zum Schwenke-Nachfolger kann er auch noch keine endgültige Aussage treffen. Unabhängig von den Bedingungen stand Schwenke zum abschließenden Interview bereit.

Mit dem 30. Juni läuft das Trainer-Engagement offiziell aus. Wie stellt sich die Situation derzeit mental dar und was waren Deine letzten Amtshandlungen?

Ich freue mich, das wofür ich angetreten bin, erreicht zu haben. Dazu hatte ich die volle Unterstützung des Vereins, der Mannschaft und von Markus Scholze als Co-Trainer und Christian Weißenfeld, dem Trainer der zweiten Männermannschaft. Vor vier Jahren war der Umbruch bitter nötig. Wir wollten die Verbandsliga halten, was nicht gelang. Aber jetzt ist das mit dem, wenn auch glücklichen Aufstieg, erreicht. Damit schließt sich der Kreis und macht es erträglicher, aufzuhören. Ich würde gern die junge, spannende Mannschaft in die fünfte Liga führen, aber ich hatte vor der Saison entschieden, kürzer zu treten. Das ist schweren Herzen geschehen, aber mit geringerem Einsatz und halber Kraft geht das aus meiner Sicht nicht. Die Familie mit drei Kindern und der Beruf fordern mich maximal. Zuletzt sind wir Ende Juni die neuen Möglichkeiten nach der Corona-Auszeit in der Halle konzentriert angegangen. Die Spieler haben viel gemacht. Jetzt hoffen wir bei Einhaltung aller Hygiene-Konzepte auch wieder im Bad trainieren zu dürfen. Der Bedarf nach der langen Pause ist bei allen da.

Rückblickend, was waren für Dich wichtige Stationen, vor allem als Spieler?

Zum HSV bin ich 1991 gemeinsam mit meinem Bruder Daniel gekommen. Begonnen habe ich als Torwart. Wir spielten damals vor allem in der berüchtigten Kante. Später waren wir immer Zweiter im Bezirk hinter Bretnig. Mit 17 Jahren kam ich zur ersten Männer-Mannschaft. Da Linksaußen Bedarf war, durfte ich ins Team. Im ersten Jahr wurden wir mit 40:4 Punkten Bezirksmeister und stiegen 2001 in die Verbandsliga auf. 2003 folgte der Oberliga-Aufstieg. Das war eine sehr große Erfahrung für uns. Danach spielten wir in der Verbandsliga immer oben mit. Zeitweilig hatten wir auch viele externe Spieler im Team. Aber auch das hat uns weiter gebracht. 2011 ging es nochmals kurz in die Sachsenliga. Wegen meiner Ausbildung spielte ich 2005/06 kurz in Landsberg in der Oberliga, ansonsten immer beim HSV.

Seit Deinem Karriereende bist Du nun Trainer. Was führte vor allem dazu?

Das Ende kam nach meinem dritten Kreuzbandriss 2014. Auch in Landsberg setzte ein Kreuzbandriss abrupt einen Stopp. Danach pendelte ich während meines Lehramtsstudiums für Sport und Geografie von Halle nach Pulsnitz und spielte wieder für den HSV. Nach der Saison 2016 übernahm ich gleich die Trainertätigkeit der ersten Männermannschaft, nachdem Ronny Schäfer seine beendet hatte. So wurde ich zur Wunsch-Notlösung.

Wie stellte sich für Dich das eher unerwartete Engagement an der Seitenlinie dar?

Die erste Saison war problematisch, da vor allem der Nachwuchs noch nicht so weit war. Einige unserer Leistungsträger zogen sich zurück, so folgte der Abstieg. Die Verbandsliga zu verlassen, war auch eine persönliche Niederlage für mich. Im ersten Bezirksligajahr wurden wir Fünfter, bauten aber nach und nach entwicklungsfähige junge Spieler ein. Im zweiten und dritten Jahr wurden wir jeweils Zweiter. Vor allem 2018/19 war eine gute Saison. Was fehlte, waren Erfahrung und der Umgang mit hohem Druck, wodurch wir am Ende noch viel Lehrgeld zahlen mussten. Die aktuell abgelaufene Saison war nicht so gut. Unser Manko war, dass vor allem freie Wurfmöglichkeiten nicht genutzt wurden. Trotzdem haben wir die Chance angenommen und wechseln wieder in die Verbandsliga. Ich glaube, wir haben auch Chancen, drin zu bleiben, weil die Mannschaft gefestigt ist. Wir haben gelernt, was geht und was nicht funktioniert.

Nun scheidest Du aus und kannst die Früchte nicht ernten. Was gibst Du Deinem Nachfolger mit?

Soweit ich weiß, ist die Trainersuche auf der Zielgeraden. Zwei Optionen sollen noch im Raum stehen. Ich jedenfalls wünsche der Mannschaft und dem Trainer bei guter Perspektive viel Erfolg. Ich traue dem Team den Ligaverbleib zu. Wenn nicht, werden wir auch nicht schlechter, weil sich alle weiter entwickeln können. Die Mannschaft ist ein gutes Team, das funktioniert und entscheidende Schritte der Weiterentwicklung gehen wird. Hinten gilt es, noch ballorientierter zu agieren, um die Zeitstrafen weiter zu reduzieren. Nach vorn sollten das schnelle Spiel perfektioniert und endlich die Chancen genutzt werden. Ansonsten steht eine gute Mischung junger und erfahrenerer Spieler zur Verfügung. Zudem sind weitere Talente aus der guten Nachwuchsarbeit des Vereins auf dem Sprung.

Schlussendlich, wie sieht für Dich die handballfreie Zeit aus?

Durch die Corona bedingte Absage der Spiele habe ich schon etwas üben können. Es ist auch angenehm, ohne jeglichen Zwang dahingehend zu leben. Als Spieler in der zweiten Mannschaft einzusteigen wäre es durch die Regelmäßigkeit und den Leistungswillen eher problematisch. So möchte ich mich vorsichtig an den Spielbetrieb mit der dritten herantasten und Verletzungsgefahr ausschließen. Wenn es nicht so regelmäßig ist, kann es in Ordnung sein. Jetzt kümmere ich mich aber mehr um Familie, Haus und Garten. Später, wenn die Kinder größer sind, kann ich mir vorstellen, meine Erfahrungen im Nachwuchs einzubringen. Was ab und an mit den früheren Weggefährten der dritten möglich ist, konnte ich zuletzt schon mal im Kreispokal erleben.

Was wünschst Du Dir für den Verein und einen eventuellen feierlichen Abschluss?

In drei Jahren wird der HSV 100 Jahre. Da wäre es schön, wenn der Verein erfolgreich in der Verbandsliga spielen würde. Mit den entwicklungsfähigen Spielern sollte da das obere Mittelfeld angegangen werden. Ich wünschte mir auch ein besseres Verhältnis zu den Oberlichtenauern, damit es im Männer- und Frauenbereich ähnlich gut wie im Nachwuchs funktioniert. Verabschiedungspläne sind mir nicht bekannt, aber in den letzten Jahren gab es schon einige einprägsame Verabschiedungen. Ich erinnere mich an Aktionen für Spieler wie Thomas Bauer, Jens Mager, Tobias Liebschner oder Daniel Schwenke, mit denen ich gern zusammen gespielt und gefeiert habe. Vielleicht lassen sich die Jungs noch was einfallen, auch wenn es aktuell schwer ist, irgendetwas zu planen. Weitere Lockerungen und der Saisonbeginn sind ja noch offen, aber auch eine Aufstiegsfeier steht noch aus.

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin alles Gute. Das Gespräch führte Eberhard Neumann

Zuversicht vor dem SpielZufriedenNachdenklichDank an die Zuschauer

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Ein frühes Saisonaus, ein abruptes Ende und ein später Anfang

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